Liebe Eltern von Kindern, denen es schwer fällt am kollektiven gesellschaftlichen Leben teilzunehmen!

Mein Name ist Uwe und ich will ihnen in diesem Brief meinen aufrichtigen Respekt,
meine tiefe Wertschätzung und mein Mitgefühl aussprechen.
Und ihnen mit meiner Geschichte etwas Mut und Hoffnung schenken.

Ich weiß aus eigener Erfahrung wie es ist, keine stimmige Zugehörigkeit in der Welt da draußen zu finden.
Ich weiß wie es ist, beruflich und gesellschaftlich keinen Platz zu finden an dem man sich angekommen und glücklich fühlt.
Ich kenne auch die tiefe Sehnsucht, dazugehören zu wollen und alles dafür zu geben.

Praktisch hat es bei mir so ausgesehen, dass ich nach Abschluss der HTL für Automatisierungstechnik 2 Jahre
als Entwicklungskonstrukteur im Werkzeug- und im Werkzeugmaschinenbau gearbeitet habe.
Zu der Zeit hatte ich eine Freundin und mit ihr eine eigene Wohnung mit Garten, Auto und war normal versichert.
Dann wurde mir das Angestelltenverhältnis zu eng und ich machte mich mit einer eigenen Erfindung selbständig.
Ich habe mir alles selbst beigebracht und dachte, dass die Selbständigkeit mein Platz in der Wirtschaft sei.
So habe ich alles gegeben und probiert, mich wohlzufühlen mit diesem Leben.
Doch es hat nicht geklappt.
Nach 7 Jahren des Probierens und des Teilnehmenwollens am kollektiv verbreiteten gesellschaftlichen Leben
habe ich aufgegeben in der Außenwelt meinen Platz finden zu wollen, an dem ich mich wohlfühle.

Für meine Besonderheit und Einzigartigkeit hat es keinen Platz in der Wirtschaft und Gesellschaft gegeben,
an dem ich mich wohl, glücklich und angekommen gefühlt hätte.

Mein Körper wurde über die Jahre auch immer schwächer von dieser Anstrengung,
mich in dieses vorgegebene System einbauen zu wollen und ich musste im Alter von 27 Jahren eine klare Entscheidung treffen.

Der Verantwortung meines Körpers und
meines Strebens nach einem glücklichen, erfüllten, gesunden, bewussten,
einzigartigen, wertvollen Lebens gegenüber habe ich folgende Entscheidung getroffen:

Ich löse mich jetzt von allen materiellen Dingen bis auf 2 Rucksäcke,
wo das Nötigste wie Kleidung, Schuhe, Waschsachen, Computer, Schreibsachen,... drin ist und
ich löse mich von allen zwischenmenschlichen und sozialen Kontakten,
ich nehme meine Unterschrift von allen Verträgen die ich je in meinem bisherigen Leben gemacht habe und
ich finde jetzt ein Zimmer wo ich körperlich bedingungslos grundversorgt werde mit
Essen, Trinken, Waschen, Klogehen, Strom, Heizung im Winter und
wo keine Erwartungen an mich gestellt werden und
wo ich mich zurückziehen und nach innen gehen kann und
schauen kann, was ich aus meinem Leben wirklich machen will,
völlig unabhängig von der Außenwelt, in der ich nicht fündig wurde.

Gesagt, getan.

Der erste Mensch, dem ich meine Entscheidung mitgeteilt habe war mein Vater.
Und zu meiner Überraschung hat er gesagt:
Das können wir dir geben.
Wir haben ein Zimmer frei und was du materiell angegeben hast zu brauchen,
das haben wir, also von mir aus können wir das machen.

Ich war echt überrascht von seiner Klarheit und Entschlossenheit und
habe ihn nochmal eingeladen, es sich in Ruhe zu überlegen und
dass er sich nicht verpflichtet fühlen muss, nur weil er mein Vater ist.
Und dass ich auch nicht weiß, wie lange es dauert, dass es sogar einige Monate dauern kann.
Auch danach hat er wieder gesagt: Dass er es tun will.

Dann haben wir eingeschlagen und es begann eine gigantische Reise... nach innen...

Nach dieser Vereinbarung hat mein Körper völlig losgelassen und
ich verbrachte ca. 6 Monate im Bett in einem Zimmer,
schlief bis zu 20 Stunden am Tag und hatte keinen Kontakt mit anderen Menschen,
nur ganz kleine Ausnahmebegegnungen waren dabei.

Es war eine Zeit mit vielen körperlichen Schmerzen und ich habe mich gefühlt
wie auf einer Zeitreise zurück in das Stadium der Schwangerschaft im Bauch meiner Mutter.
Ich habe Gefühle und Schmerzen erfahren, die damals ihren Ursprung hatten.
Ich habe gefühlt, wie es meiner Mutter damals gegangen ist und mit welchen Informationen
ich über sie in Berührung gekommen bin.
Das alles konnte jetzt an die Oberfläche kommen, weil ein Raum der Entspannung da war.
Jeder Schmerz war für mich jetzt ein Heilungsschmerz, der in meiner frühen Kindheit seinen Ursprung hatte.
Und da ich jetzt ein ausgewachsenes Gehirn hatte, bekam ich Zugang zu den Informationen.
Als Baby im Bauch ist das Gehirn noch nicht soweit, dass man es sich bewusst merken kann was passiert.
Aber im Körper war alles gespeichert wie auf einem Computerchip.
Und nichts war verloren, alles war da.

Nach den ca. 6 Monaten habe ich gespürt und gemerkt, dass meine Eltern langsam unruhig wurden.
In der Nacht habe ich vor meiner Tür Süßigkeiten entdeckt.
Sie haben geschaut ob ich sie esse, um zu sehen, ob ich noch da bin.

Und so begann ich dann langsam ganz bewusst Kontakt mit meiner Mutter aufzunehmen und
habe ihr erklärt was mit mir geschieht.
6 Monate habe ich selber gebraucht um das zu verstehen.

Aber die Botschaft war einfach:

"Liebe Mutter, weißt du:
So wie nach jeder Nacht ein neuer Tag kommt und
nach jedem Regen wieder Sonnenschein und
nach jedem Winter ein neuer Frühling und
nach jedem Ausatmen ein neues Einatmen kommt,
so wird auch in meinem Leben die Sonne wieder neu aufgehen.

Nur wann das genau ist,
kann ich dir nicht sagen,
weil das nur Gott weiß.

Aber ich kann dir schon soviele kleine Schritte berichten,
die diesen Sonnenaufgang ankündigen:

Z.B. kann ich mich jetzt schon regelmäßig waschen und
auch lüften und meine Bettwäsche regelmäßig wechseln.
All das konnte ich monatelang nicht."

So große Freude hatte ich mit jedem einzelnen kleinen Schritt,
mit jeder Minute mehr an Energie und
den damit verbundenen neuen Möglichkeiten.

Meine Mutter hat gespürt dass ich weiß was ich tue und
sie hat meine Freude gespürt und
mir geglaubt und mir weiter vertraut.

Und so war sie nun entspannt und
ihre Entspannung ist auch zu meinem Vater geflossen und
der war ab dann auch beruhigter.

Dann habe ich echt gemerkt,
dass mein Bedürfnis nach Mitteilung meiner inneren Erlebnisse und Erfahrungen wächst.
Und ich habe auch gemerkt, dass in meinem Umfeld nur sehr begrenzt Energie und
Aufmerksamkeit dafür da war.

Mein Vater wollte davon nichts wissen, das hat er mir klar signalisiert und
es war auch nicht Teil unseres Deals.

Das habe ich respektiert.

Und so war da noch meine Mutter.
Sie hatte ca. eine halbe Stunde pro Tag Zeit und diese Zeit habe ich genutzt um
meine Erfahrungen mit ihr zu teilen.
Und all diese Erfahrungen waren ja nicht nur meine,
sondern hatten auch eine Verbindung zu ihr,
weil es um Erfahrungen aus der ganz frühen Kindheit ging.

Und so nutzten wir die Zeit um die Mutter Kind Beziehung in eine neue Kraft und
in einen neuen Frieden zu bringen.

Mit der Zeit reichte mir die halbe Stunde am Tag nicht mehr und
ich habe überlegt, wie ich mehr Zeit für mich im Leben meiner Mutter erschaffen kann.

So habe ich gemerkt, dass sie mit ihrem Job und Leben insgesamt
sehr unter Druck steht und dass ihr ihr Beruf nicht voll Freude macht usw.
Und so habe ich begonnen, ihr Fragen zu stellen,
ob sie nicht was ändern wolle in ihrem Leben, hin zu mehr Glück und Erfüllung und Entspannung?

Anfangs konnte sie sich nichts darunter vorstellen.
Immer mehr habe ich sie eingeladen, sich wieder ihren Träumen zu öffnen und
ihr Raum gegeben mit mir an Dinge zu glauben,
an die die Welt da draußen nicht glaubt.

Und so begann der nächste große Abschnitt dieser Reise:
Je mehr ich meiner Mutter geholfen habe,
ihr Leben entspannter, erfüllter, gesünder und glücklicher zu machen,
desto mehr konnte sie sich auch mir öffnen und auch ich konnte mich wieder mehr mitteilen.

Und so ging das ganze 2 Jahre.

In diesen 2 Jahren hatte ich auch noch viele Schmerzen,
vor allem im Kopf- und Nackenbereich,
und ich war körperlich sehr instabil.
Ich wusste eine Stunde vorher nicht ob ich in der nächsten Stunden müde bin oder Schmerzen habe.

Durch diese große körperliche Instabilität war ich auch den Großteil der Zeit in meinem Elternhaus.

Und so ging es weiter und weiter.
Mein Körper wurde immer gesünder,
ich wurde immer stabiler und je mehr Energie mir gegeben wurde,
desto mehr konnte ich auch dann machen.
Mich mit immer mehr Menschen treffen und immer mehr verschiedene Orte besuchen.

Von der Entwicklung her war es wie ein erneutes Heranwachsen begonnen bei
Schwangerschaft, Baby, Kleinkind, Kind, Jugendlicher,... bis hin in
ein neues Erwachsenendasein.

Durch die Zeit mit meiner Mutter habe ich Fähigkeiten und Qualitäten in mir entdeckt,
mit denen ich auch anderen Menschen helfen konnte und kann.

Heute bin ich gesunder, glücklicher, beruflich selbständiger Business- und Persönlichkeitscoach und
bin dankbar am Leben zu sein.
Jetzt erfahre ich mein Leben als Geschenk und eine abenteuerliche Reise,
wo alles zum richtigen Zeitpunkt geschieht.

Und ich bin meinen Eltern von ganzem Herzen dankbar für ihre Geduld und
dass sie mir und Gott vertraut haben, dass sich alles zum Besseren entwickelt.

Alles Gute braucht seine ganz bestimmte Zeit zum Wachsen und zum Reifen.
Das habe ich gelernt.

Jetzt im Nachhinein merke ich,
dass ich im aktuellen und damaligen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem zu wenig Zeit
und Raum gehabt habe mich zu finden und zu positionieren.

Das habe ich jetzt nachgeholt und bin jetzt dankbar für mein Leben und
empfinde mich als wertvoll und besonders und einzigartig.

Wir leben in einer sehr außergewöhnlichen Zeit in der gesamten Menschheitsentwicklung.

Und gerade Kinder und Jugendliche,
die scheinbar nicht in das aktuelle System passen sind eine herzliche Einladung,
das aktuelle System zu hinterfragen und zu beleuchten und sich eigenverantwortlich auf den Weg zu machen.

Ich glaube, dass wir in Europa wirklich ernsthaft eingeladen sind,
die Auffälligkeiten unserer Kinder und Jugendlichen als die aktuell größte und wichtigste Herausforderung zu sehen,
die es zu meistern gilt.

Wenn wir uns ihnen öffnen mit Zeit, Liebe und Aufmerksamkeit und
es uns ernsthaft interessiert das Besondere und Einzigartige in ihnen zu finden und zu nähren,
dann werden wir neue Wege finden und
wir werden gesegnet mit einem neuen zwischenmenschlichen Miteinander.

Und ganz besonders wichtig ist es für uns Erwachsene jetzt zu erkennen,
dass wir uns auch ändern dürfen.
Wir dürfen ankommen in der Zeit in der wir jetzt leben.
Wir dürfen zuerst mal realisieren, wie gut es uns materiell geht.
Dass für unsere existenziellen, äußeren Bedürfnisse jetzt gesorgt ist und
wir unser Aufmerksamkeit auf innere, zwischenmenschliche Bedürfnisse lenken dürfen und
uns auch unseren tiefen Träumen und Sehnsüchten öffnen dürfen und
miteinander eine neue Welt erschaffen.

Liebe Eltern, ich verneige mich vor ihnen in tiefen Respekt vor ihrer Lebenssituation und
hoffe, dass meine Geschichte ihnen etwas Licht und Hoffnung schenkt.

Ihr Kind/ ihre Kinder bringen Altes, Enges zum Platzen und gleichzeitig Neues, Weites ins Leben.
Ihr Kind/ ihre Kinder sind die Inspiration für eine neue Welt und ein neues Miteinander.

Danke für ihre Aufmerksamkeit.

Sollten sie auf ihrem Weg meine Unterstützung wünschen,
können sie sich gerne bei mir melden.

Alles alles Liebe und Gottes Segen für sie
und ihr Kind/ ihre Kinder.

Uwe Hochholzer